Ressourcenverschleiss statt regionaler Produktion
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Ressourcenverschleiss statt regionaler Produktion

Die Schweizer Stimmberechtigten haben sich am 13. Juni für eine produktive Landwirtschaft und gegen Technologieverbote entschieden. Sie wollen auch in Zukunft regionale Lebensmittel zu erschwinglichen Preisen. Mit dem zur Debatte stehenden inoffiziellen Gegenvorschlag zu den beiden abgelehnten Agrar-Initiativen bewegt sich die Schweiz allerdings in die falsche Richtung. Durch unverhältnismässige neue Hürden bei der Zulassung von Pflanzenschutzmitteln drohen den Bauern erneut Ernteausfälle. Umwelt und Klima sind damit nicht geholfen.

Pflanzenschutzmittel sind für Landwirte eine Art Existenzversicherung. Sie schützen ihre Kulturen vor Schadorganismen und helfen dabei, Ernteverluste zu verhindern. Eine kürzlich von Agroscope durchgeführte Expertenbefragung bestätigt die grosse Bedeutung des Pflanzenschutzes für die Landwirtschaft. Bei einem kompletten Verzicht auf Pflanzenschutzmittel müsste mit Ertragseinbussen von bis zu 47 Prozent gerechnet werden. Wenn «nur» auf Insektizide und Fungizide verzichtet würde, lägen die Verluste immer noch bei bis zu 43 Prozent. Zu ähnlichen Zahlen kam bereits der umfassende Bericht des Research Desk des europäischen Parlaments 2019. Ernteverluste sind ein Verschleiss von Ressourcen. Wasser, Dünger, Arbeit, Diesel, Pflanzenschutzmittel wurden bereits verbraucht. Fallen die Kulturen einem Schädling zum Opfer, liefen sämtliche «Inputs» ins Leere, der Finanzaufwand war umsonst. Das Resultat ist eine unproduktive und unökologische Landwirtschaft.


Unverhältnismässige Grenzwerte

Mit dem inoffiziellen Gegenvorschlag zu den beiden abgelehnten Agrar-Initiativen bewegt sich die Schweiz jedoch genau in diese Richtung. Künftig soll für die Bestimmung eines Grenzwertes nicht mehr zwischen «relevant» und «nicht relevant» unterschieden werden. Es spielt also keine Rolle mehr, ob ein Abbauprodukt als «nicht relevant» und damit für Mensch und Umwelt unbedenklich eingestuft ist. Für sämtliche Pflanzenschutzmittel soll derselbe, äusserst strenge Grenzwert von 0,1 Mikrogramm pro Liter im Grundwasser gelten. Bis anhin galt für «nicht relevante» Abbauprodukte ein zehnmal höherer Grenzwert von 10 Mikrogramm pro Liter. Das vom Parlament ausgearbeitete Gesetz sieht vor, dass ein Pflanzenschutzmittel automatisch überprüft werden muss, sobald es künftig wiederholt den Grenzwert von 0,1 Mikrogramm überschreitet. Dem Mittel muss die Zulassung entzogen werden, falls nicht sichergestellt werden kann, dass der Grenzwert künftig eingehalten wird.


Kein «race to zero risk»

Durch den einheitlichen Grenzwert droht einer Vielzahl von unverzichtbaren und gleichzeitig völlig unproblematischen Pflanzenschutzmitteln, die Zulassung zu verlieren. Der Wirtschaftsverband scienceindustries kritisiert diese Entwicklung in der Gesetzgebung als «race to zero risk» und lehnt die Vorlage ab. Ziel des Gegenvorschlages müsse es sein, Umweltrisiken zu reduzieren, und nicht die für die Produktion von Lebensmitteln notwendigen Substanzen zu verbieten. Mit dem vorliegenden Gegenvorschlag würde die inländische Produktion abnehmen und die Preise würden steigen. Fehlende Lebensmittel müssten über Importe ausgeglichen werden. Wie die «BauernZeitung» schreibt, warnt scienceindustries vor einer Umsetzung der beiden Agrar-Initiativen durch die Hintertür.


Landwirte brauchen vollen Werkzeugkasten

Durch die entstehende Rechtsunsicherheit bezüglich der Zulassung neuer und umweltfreundlicherer Pflanzenschutzmittel werden zudem Innovationen blockiert. Denn Unternehmen investieren nicht in Forschung und Entwicklung, wenn die Hürden für potenzielle neue Produkte unverhältnismässig hoch sind. Um in Zukunft trotz Klimawandel und Bevölkerungswachstum genügend Lebensmittel auf nachhaltige Weise zu produzieren, brauchen Landwirte jedoch einen vollen Werkzeugkasten und sind auf Innovationen angewiesen. Technologieverbote führen dazu, dass weniger effizient gegen Ernteverluste vorgegangen werden kann. Dies verbraucht mehr Ressourcen und hilft letztlich weder dem Klima noch der Umwelt.

Ressourceneffiziente Landwirtschaf

Ressourceneffizienz bedeutet die effiziente Nutzung von technisch-wirtschaftlichen und natürlichen Ressourcen. Sie wird definiert als «das Verhältnis eines bestimmten Nutzens oder Ergebnisses zum dafür nötigen Ressourceneinsatz». Ressourceneffiziente landwirtschaftliche Produktion strebt eine Optimierung des Ernteertrags unter Verwendung von möglichst wenigen Produktionsmitteln (wie Arbeit, Finanzen, Energie, Land, Wasser, Dünger oder Pflanzenschutzmitteln) und geringstmöglichem Druck auf natürliche Ressourcen (Wasser, Boden, Biodiversität, Luft inkl. Klima) bei möglichst grossem und qualitativ hochstehendem Ertrag an.

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